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NRZ Juli 2018

nrz.de - vom 19.Juli 2018 von Lucas Bayer

Selbsttest auf der Rheinkirmes: Die Wilde Maus mit VR-Brille

Düsseldorf. Zum ersten Mal in NRW können Kirmes-Fans auf der Rheinkirmes eine Achterbahnfahrt mit VR-Brille erleben. Das Projekt kostete 500.000 Euro.

lucas bayer_1_20180725_1858798740 Foto: Kai Kitschenberg


Mit voller Geschwindigkeit rast das animierte rote Auto auf eine Holztür zu. Beim Aufprall zerspringt die Tür in alle Einzelteile und das Fahrzeug stürzt in die Tiefe. Nach ein paar Metern schlägt es auf einem grasbedecktem Hügel auf und tuckert langsam weiter, bevor es mit Vollgas weitergeht. Diejenigen, die genau dieses animierte Szenario vor Augen haben, spielen nicht etwa ein Computerspiel. Sie fahren bei einer Achterbahn mit, die zurzeit bei der Düsseldorfer Rheinkirmes gastiert und erleben die beschriebenen Bewegungen gefühlsecht mit.

Als erste transportable Achterbahn in Europa bietet nämlich die Wilde Maus XXL den Gästen die Möglichkeit, die Fahrt mit einer Virtual-Reality-Brille (VR) zu erleben. Trägt man diese, taucht vor den eigenen Augen eine in sich geschlossene 3D-Welt auf.“ Die Entwicklung hat ein Jahr lang gedauert. Größte Herausforderung war, die Fahrbewegung der Gondel mit dem Filmablauf vollständig zu synchronisieren“, erklärt Wilde-Maus-Besitzer Max Johannes Eberhard bei einer Führung durch die Attraktion.

Halbe Millionen Euro für das Projekt

Jede Gondel habe immer, bei jeder Fahrt, eine andere Geschwindigkeit. Diese werde zum einen durch die Anzahl und das Gewicht der Fahrgäste, aber auch durch Regen oder sehr hohe Temperaturen beeinflusst. „Das haben wir dadurch gelöst, dass sich der Film dem Standort der Gondel immer wieder anpasst. Deswegen sind an mehreren Stellen der Bahn sogenannte Messstellen angebracht“, führt der 69-Jährige aus und deutet auf kleine Punkte der Strecke. Eine halbe Millionen Euro habe das VR-Projekt insgesamt gekostet.

An diesem heißen Nachmittag testen einige Besucher der Wilden Maus, wie sich die Fahrt mit der Brille in der bunt gestalteten Fantasiewelt anfühlt. „Das ist echt total verrückt. Man weiß am Ende gar nicht mehr, was mit einem passiert“, sagt der 16-Jährige Baran begeistert. Der Großteil der Besucher betritt die Gondeln der Achterbahn allerdings noch ohne VR-Brille. „Bislang nehmen ungefähr 20 Prozent das neue Angebot wahr, es wird aber langsam immer mehr“, sagt Astrid Geissler, Pressesprecherin der Wilden Maus.

Viel mehr Schausteller als freie Plätze

Solche technischen Neuerungen seien auch darum wichtig, um sich von anderen Schaustellern abzuheben. „Es gibt auf jeden Fall viel mehr Unternehmen, als freie Plätze bei den Veranstaltungen“, sagt Wilde-Maus-Besitzer Max Johannes Eberhard. Gerade bei Volksfesten wie der Düsseldorfer Rheinkirmes sei die Bewerberanzahl unglaublich hoch. „Das alles hier hat seinen besonderen Reiz, gerade die Lage genau am Rhein ist natürlich optimal“, lobt der 69-Jährige.

Dabei bekämen die Besucher nicht mit, wie viel Aufwand und Stress auf die Schausteller einprasselt. „Es wird immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden, die uns unterstützen“, bemängelt Eberhard.

Große Achterbahnen bald nur noch in Freizeitparks?

Es könnten auch nicht einfach Aushilfen eingestellt werden, da die meisten Arbeitsschritte von geschulten Kräften ausgeübt werden müssen. In dem 10-köpfigen Team der Wilden Maus XXL finde eine hohe Fluktuation statt. „Die meisten sind nur für zwei, drei Monate dabei “, sagt der 69-Jährige. Das ständige hin und her reisen sei einfach nicht mehr attraktiv. Zusätzlich sorge für Probleme, dass die Schausteller für ihre Fahrten zur nächsten Kirmes von den Behörden oft keine Schwertransport-Genehmigungen bekommen. „Dann müssen wir immer einen anderen Weg suchen und den beantragen“, beschwert sich Eberhard. Und so viel Zeit sei dann oft nicht mehr vorhanden.

Viele Unternehmen schwenken daher darauf um, ihre Attraktionen möglichst kleinteilig zu bauen, um keinen Schwertransport beantragen zu müssen. „Bei vielen größeren Attraktionen sei das allerdings nur bedingt möglich. Das könnte dazu führen, dass die ganz großen Achterbahnen irgendwann nur noch in den Freizeitparks stehen und nicht mehr bei den großen Volksfesten“, befürchtet Max Johannes Eberhard.

Zahlen und Preise der Wilden Maus XXL

585 Meter beträgt die Schienenlänge der Achterbahn, die Fahrtzeit dauert ungefähr zwei Minuten und 30 Sekunden. Die Gondeln erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h.

Der Preis für eine Fahrt mit der Wilden Maus XXL beträgt sechs Euro. Mit VR-Brille kommt ein Zuschlag von zwei Euro dazu.

 

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