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Aachener Zeitung Juli 2018

Aachener Zeitung - vom 23. Juli 2018 von Jörg Abels

„Wilde Maus XXL“ zieht von Düsseldorf nach Düren. In fünf Tagen.

Düsseldorf/Düren: Licht aus, Spot an: Kaum sind die vielen Tausend bunten Lichter in der Nacht zum Montag auf der Rheinkirmes Punkt 24 Uhr erloschen, gehen an den meisten Fahrgeschäften bereits die Abbaulampen an. Spezial-Lkw rollen auf den Platz, Autokräne schießen in den Düsseldorfer Nachthimmel. Überall herrscht hektische Betriebsamkeit, von Verschnaufen nach dem letzten Fahrgast und zehn anstrengenden Kirmestagen keine Spur, vor allem nicht rund um die „Wilde Maus XXL“.

Schausteller Max Johannes Eberhard steht vor einem logistischen Kraftakt. Erstmals muss sein Team die 250 Tonnen schwere Achterbahn binnen fünf Tagen in Düsseldorf ab- und in Düren wieder aufbauen. „Normalerweise benötigen wir drei Tage für den Ab- und fünf für den Aufbau“, erklärt der 69-jährige Hanseate. Diesmal muss alles schneller gehen, viel schneller. Denn auf die Annakirmes wollte Eberhard trotz der weitgehend verregneten Premiere mit der „Wilden Maus XXL“ im Jahr 2015 nicht verzichten. Denn aus früheren Jahren, unter anderem mit dem „Airwolf“, weiß er die Qualität des Dürener Volksfestes zu schätzen. „Einen solchen Platz lässt man ungern aus.“

Den logistischen Kraftakt beim Ab- und Aufbau beschreibt Eberhard als „Premiere ohne Generalprobe“. Und sie ist eine mit beengten Platzverhältnissen. Rechts und Links ist seine „Wilde Maus XXL“ auf der Rheinwiese von anderen Fahrgeschäften umgeben, an denen zum Teil ebenfalls der Abbau beginnen soll. Das macht das Aufstellen der drei Autokräne mit ihren langen Auslegern und das Rangieren der ersten der insgesamt 20 für den Transport benötigten Spezial-Lkw nicht einfacher. Kurze Verständigung mit den Kollegen, dann klappt's.

Statt der üblichen zehn Mitarbeiter sind in dieser Woche doppelt so viele im Einsatz, Eberhard wird personell von seinem Sohn unterstützt, der mit einem Vorarbeiter auch Regie beim Jonglieren mit dem schwebenden Stahl führt. Als Erstes lassen sie die Gondeln von den Gleisen holen, Hunderte Meter Stromkabel einrollen, Dekoelemente, Lichtleisten und die große LED-Leinwand vor dem Geschäft, die Appetit auf eine Virtual-Reality-Fahrt (siehe Info) machen soll, demontieren. Büsche und Bäume verschwinden kurze Zeit später in einem separaten Transporter.

Eberhard spricht von einer „Fummelarbeit, bevor es ans Eisen geht“. Dank der drei Autokräne startet der Abbau an drei Ecken gleichzeitig. Und obwohl das personell verdoppelte Team nicht eingespielt ist, läuft vieles Hand in Hand. Während an der Vorderseite die Fassadenteile abgebaut und in die eigens an jedes Element angepasste Spezialhalterung auf einem der Sattelschlepper verladen werden, lösen andere Mitarbeiter mit Haltegurten gesichert in bis zu 30 Metern Höhe bereits die Schrauben an den Gleisen. So können im rückwärtigen Bereich die ersten Schienen der 585 Meter langen Bahn bereits demontiert werden.

Als der Morgen über Düsseldorf erwacht, sind die ersten Lkw bereits fertig beladen für die 75 Kilometer lange Fahrt nach Düren. Das Team hat in der ersten Schicht ganze Arbeit geleistet und liegt mehr als gut in der Zeit. Noch ist es am Rhein angenehm kühl, doch das wird sich in den kommenden Tagen ändern. Wenn das Thermometer über die 30-Grad-Marke klettert, „wird die Arbeit zu einem Knochenjob“, fürchtet Eberhard.

Dienstagabend, spätestens in der Nacht zum Mittwoch will er Düsseldorf endgültig den Rücken kehren, um genügend Zeit für den Aufbau in Düren zu haben. Ob die „Premiere ohne Generalprobe“ gelingt, steht spätestens am Samstagmorgen fest, wenn um 11 Uhr in Düren die Kirmeslichter auch an der „Wilden Maus XXL“ wieder angehen sollen.

 

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