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Max Eberhard III. zum 100. Geburtstag

Sein Leben stellte er nicht in den Dienst seiner Familie. Sein Leben stellte er in den Dienst einer guten Sache, in den Dienst seines Gewerbes, überzeugt davon jeden Tag  etwas Gutes für das Berufsfeld Schausteller zu erreichen. Kein Weg, keine Reise war ihm zu weit, um seine Visionen zu verkündigen. Kein Gespräch mit Würdenträgern, keine Diskussion mit Politikern auf der ganzen Welt war ihm zu lang,  wenn es um die Zukunft des Gewerbes ging. Er war ein Verbands-Workaholic. Und wenn er zu Hause war, war er ruhig, geradezu mundfaul, beklagte meine Mutter sooft. Es war nicht möglich, ihm wirklich nah zu sein. Nur sporadisch erschien er im Betrieb. Für die Bilanz interessierte er sich.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ist er wegen Wehrzersetzung zum Tode verurteilt worden. Auch darüber hat er nicht gesprochen.  Aber gemäß seines Mottos – „Gestorben wird Morgen“ – machte er sich auf den Weg, „europäische Völkerverständigung zu betreiben“, so die Europäische Schaustellerunion (ESU), die ihm dafür dankte, dass er sich mit soviel Elan an der Gründung des ersten europäischen Berufsverbandes nach dem Krieg beteiligte. „Ein Avantgardist, weit vorausblickend für eine europäische Sache.“ Für seine selbstlose Tätigkeit zeichnete ihn Europa aus. Als erster Ausländer erhielt er vom finnischen Staatspräsidenten Dr. Kekkonen die goldene Ehrenmedaille „Lasten Päivän Säätiö“. Nach  der Verleihung von zwei Bundesverdienstkreuzen, verhandelte er ab 1979 alleine im Europa-Rat in Straßburg über Vergünstigungen für den Berufsstand. Papst Paul VI, Königin Beatrix der Niederlande, Prinz Hendrik von Dänemark, die Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl – sie alle haben meinen Vater empfangen und seinem Anliegen gelauscht. Ich weiß nicht, wie er das gemacht hat.

„Der Rummelplatz war sein Leben – und sein Tod“, titelte die Bild-Zeitung auf der ersten Seite am 07. Juli 1982.  Neun Herzinfarkte später, starb mein Vater allein in einem Hotelzimmer in Hannover, nachdem er dort das Schützenfest eröffnet hatte – unterwegs im Dienste seiner guten Sache. Was ist geblieben – für mich ? Eine Vitrine voller Orden und Gedenkmedaillen, Wände voller hochkarätiger Ehrenurkunden und Auszeichnungen aus der ganzen Welt. Was ist geblieben – für das Gewerbe ? Für das Gewerbe deutlich mehr: der verringerte Mehrwertsteuersatz und die Steuerfreiheit für Zugmaschinen – vor rund 30 Jahren erkämpft und heute noch Garant für das wirtschaftliche Überleben vieler Betriebe.

Es ist wieder einmal Zeit, Dir zu gratulieren, mein lieber Vater. Am 23. Januar 2013 hättest du deinen 100. Geburtstag gefeiert.

Du warst nicht groß im Haben – Du warst groß im Sein.

Dein Sohn Max Johannes

 

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